NEVER LOOK BACK

Stories by InesT

Kurze Rede November 6, 2009

Filed under: Daily Journals — InesT @ 10:44 am

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen
Herzlich Willkommen an der Humboldt Universität zu Berlin.

Das Leben in Deutschland ist natürlich ganz anders als in unseren Heimatländern. Aber Sie können mir glauben, Berlin ist einfach wunderbar. Warum? Es ist eine schöne Stadt und bietet neben Kultur und Sehenswürdigkeiten auch viele günstige Ausgehmöglichkeiten.

Fünf Jahre in Deutschland haben mir sehr viel gebracht. Obwohl ich mein Master Studium auf Englisch absolviert habe, habe ich mich trotzdem bemüht deutsch zu lernen. Sprache ist der Schlüssel zu einer Kultur. Natürlich ist es sehr wichtig Deutsch zu sprechen, damit man überall kommunizieren kann.

Ehrlich gesagt, für mich Deutsch zu sprechen ist ziemlich schwer. Sie merken das daran, dass ich nicht so gut sprechen kann. Zwei Jahre lang habe ich sehr intensiv daran gearbeitet. Ich habe meine Tür für die Indonesischen Leute geschlossen. Ich traf mich nur mit Deutschen und habe die meiste Zeit mit Ihnen verbracht. Es ist wirklich hart, wenn man Einkaufen geht, keiner will mit uns Englisch reden. Mindestens, Danke-Bitte-Wo finde ich das und jenes, haben Sie das und jenes? Wie teuer ist das? Diesen kleinen Teil muss man einfach nur kennen.

Als Doktorandin, hilft mir die deutsche Sprache in meiner Arbeit voran zu kommen. Im Alltag muss ich mit den Technikern, mit denen ich arbeite Deutsch sprechen. Nebenbei, lese ich viel Literatur auf Englisch. Diese beiden Sprachen die nicht meine Muttersprache sind, kann ich so gleichzeitig  weiterentwickeln. Druck bei der Arbeit hat man immer, aber man darf nicht aufgeben!

Ich arbeite täglich mehr als 8 Stunden, am Wochenende muss ich auch ins Labor kommen um Fische zu füttern. Alle zwei Wochen hat unser Team eine Versammlung, dort erzähle ich allen was in den letzten 2 Wochen mit meinen Fischen passiert ist. Wenn ich Probleme habe, finden wir gemeinsam eine Lösung.

Natürlich sind meine Betreuer manchmal auch kritisch, sie haben auch viele Fragen an mich, die für meinen Arbeitsbereich wichtig sind. Ich weiß genau, dass sie mir damit helfen wollen. Habe ich mal keine Antwort, dann bin ich ehrlich und sage, dass ich es einfach nicht weiß. Bis zur nächsten Versammlung suche ich nach einer Lösung, die ich dann anbringen kann.

Komme ich klar mit der Kritik? Natürlich nicht immer, ich habe am Anfang oft geweint wenn mich die Kritik tief getroffen hat. Manchmal fragte ich mich selbst, wieso haben sie mir das angetan? Sie hätten mir das eigentlich netter sagen können. Ja, so ist es gelaufen. Aber man sollte es sich nicht so persönlich zu Herzen nehmen, weil es einfach nur einen Teil unserer Reise ist, um den Titel Doktor zu bekommen.

Aus dieser Erfahrung habe ich gelernt, dass die Deutschen ziemlich direkt, offen und transparent sind. Wenn Sie solche Probleme haben, sagen Sie höfflich & ehrlich ihre Meinung und sprechen Sie darüber. Die Deutschen respektieren unsere Meinung und wollen zuhören.

In der Regel hat man als Doktorand viel Arbeit, um die man sich selber kümmern muss. Besonders schwierig ist es, wenn zum Beispiel Experimente nicht so klappen, wie man es sich vorgestellt hat. Erzählen Sie ruhig ihre Probleme zu Ihrem Doktorvater / Ihrer Doktormutter, damit Sie sich nicht allein fühlen. Es ist sonst schwerer die ganze Arbeit zu bewältigen.

Es ist deswegen auch wichtig etwas Ablenkung von der Arbeit zu haben und in der Freizeit Freunde zu treffen, Sport zu treiben oder Musik zu machen.

Zum Aufgabengebiet eines Wissenschaftlers gehört es auch an Tagungen teilzunehmen. Man kann dort seinen beruflichen Horizont durch neuste wissenschaftliche Erkenntnisse erweitern sowie Kontakte knüpfen, die in der Zukunft wichtig sein können. Wissenschaftliche Texte, die man dort vorträgt, können auch in der eigenen Veröffentlichungsliste aufgeführt werden.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einen Tipp aus meinen persönlichen Erfahrungen geben. Es wird vorkommen, dass es einem zu viel wird und man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche, setzen Sie Prioritäten und teilen alles in kleine Schritte auf. Danach sieht alles meistens schon viel einfacher aus.
Falls Sie trotzdem noch Probleme haben, finden Sie jemanden zum Reden.

Ich wünsche Ihnen allen eine erfolgreiche Arbeit und eine schöne Zeit in Berlin.

TOI TOI TOI

 

Leave a Reply